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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017

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Spezialausgabe mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendsport

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www.rollikids.de Es blieb genügend Zeit für Ausflüge, beispielsweise zu den Steilküsten von Los Gigantes. »DAS IST DER HAMMER … … was da noch alles geht!« Sport-Aktivwochen im Mar Y Sol SPA & Sporthotel, Teneriffa D iesmal nicht zum Jahreswechsel, wie die letzten sechs Jahre, sondern den ganzen Februar durfte ich auf Teneriffa verbringen – zwei Wochen DRS Rollikids/RolliFREAKS Sport- Aktiv-Wochen im und mit den Kollegen vom SPA & Sport Hotel Mar Y Sol und zwei Wochen Ferien mit Auslügen, Entdeckungstouren, lesen und faulenzen unter südlicher Sonne. Alles zusammen eine sehr tolle Zeit, mit vielen eindrücklichen Begegnungen und wunderbaren Stunden – nur diesmal leider ohne Ute und Samira. Doch nun gern der Reihe nach. DEN ALLTAG HINTER SICH LASSEN Wenn ich in Teneriffa aus dem Flugzeug steige, mein Rollstuhl am Gate steht, mein Gepäck alles da ist und die Sonne scheint – und die scheint im Süden der Insel wirklich nahezu immer, dann bin ich angekommen. Angekommen in einer anderen Welt – auf einer der Inseln des immerwährenden Frühlings. Das vergangene Jahr und den Alltag habe ich hier bereits hinter mir gelassen. Wie ein VIP werde ich von einem freundlichen Mitarbeiter von sin barreras begleitet, er kümmert sich auch darum, dass ich mit meinem reichlichen Gepäck gut bis zum Flughafenausgang komme und da wartet bereits mein Shuttle zum Hotel auf mich. Diesmal fuhren noch zwei Urlauber mit, einer davon auch im Rollstuhl, die zu einem anderen Hotel wollten. Schnell kam die Frage auf, wo jeder hin möchte. »… ach ja ins Mar Y Sol, das ist doch das Behinderten Hotel?!« Nun, bekannt scheint das Mar Y Sol in der Szene ja zu sein, aber kennen und beurteilen können es noch die wenigsten. Ähnlich wie den Beiden ging es auch Konrad und Maria aus dem Frankenland. Sie waren zunächst auf Gran Canaria, hatten dann bei einem Trip nach Teneriffa das Mar Y Sol mal besucht – und sind nach einer kurzen Eingewöhnung vollends begeistert. Von Konrad stammt auch der Ausruf: »Hey, das ist ja der Hammer, was da noch alles geht mit Rollstuhl!«, als er seine ersten Lektionen im Kippeln und Balancieren hinter sich hatte und sich nunmehr auf die vielfältigen Möglichkeiten mit Rollstuhl einlassen konnte. Von der Bauweise und der Ausstattung her ist das Mar Y Sol einfach toll. Durch die Hanglage wirkt es bei weitem nicht so groß, wie es ist. Die Architektur ist offen und iligran. So gibt es Bereiche, wo viel los ist, und Bereiche, in die man sich zurückziehen kann – und wo man, wenn man möchte, dennoch die Pool Zone gut im Blick hat. VIEL LEBEN UND VIEL VITALITÄT Ja, es sind viele Menschen mit Behinderung im Hotel. Ganz klar, bei einem der wenigen Hotels, das ich kenne, das zu 100% barrierefrei ist. Auch Schwerer- und Schwerstbehinderte, aber es herrscht hier Leben und Vitalität. Morgens um 7.00 Uhr ziehen die Ersten im warmen- und manch einer auch im kalten Pool seine Bahnen, und wenn die Sporthalle um 10.00 Uhr öffnet, warten schon Leute davor. Bis auf eine kurze Mittagspause von einer Stunde ist die Halle bis 18.00 Uhr geöffnet und immer auch mit kompetentem Personal besetzt. Die Unterschiedlichkeit der Gäste ist ein reicher Schatz. Als ich dort war, kamen sie aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aus England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, und aus Skandinavien – einer sogar aus Kanada. Ähnliche Lebens- Geschichten und Erfahrungen überbrücken schnell die Sprachenvielfalt und so herrschte herzliches Gekicher bei der Rolli-Gymnastik als ein Wort auf Spanisch zu Amüsement bei den deutschen Teilnehmern führte. Es wird sowieso viel gequatscht und sich ausgetauscht sowohl über Dinge minderen Ernstes, aber auch über Dinge von großer Tiefe. Es ist die Peer Situation, das Gespräch auf gleicher Ebene – wie in einem Club – die ihren besonderen Reichtum in sich trägt. Oder wie es Jo einmal ausdrückte: »Nicht hier ist man im Ghetto, 32 Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017

Fotos: Klaus D. Herzog Nichts ist fruchtbarer als der Erfolg. Accessible Beach – dank der befestigten Strände kann man sich auch mit dem Rolli bequem am Wasser bewegen. sondern in diesen All-you-can-eat Palästen draußen mitten im Nirgendwo, wo jeder nur so mit sich selbst beschäftigt ist!« Durch die lockere Sitzordnung im Restaurant, wo schnell mal zwei, drei Tische einfach zusammen geschoben werden, indet jeder Neuankömmling sehr schnell Kontakt. Die, die schon öfters hier waren, freuen sich auf einander. Denn sehr viele sind Stammgäste seit mehreren Jahren und haben nach anfänglichen ›Test-Urlauben‹ die Aufenthaltsdauer immer weiter verlängert. Manche Erstlinge kommen für ein-, zwei Wochen, Wiederholungstäter drei- bis sechs Wochen und werden dann ggf., und wenn es die inanziellen Möglichkeiten zulassen, zu Überwinterern die drei bis vier Monate bleiben. Da es in der Anlage auch noch Eigentümer von Appartements gibt, lebt manch eine/r hier sogar dauerhaft. Unter die Gäste mischen sich täglich unterschiedliche Besucher von außen, sei es um bei TeraLava physiotherapeutische Anwendungen zu erhalten, um in der Sporthalle am Programm teilzunehmen oder einfach um Freunde oder Bekannte zu besuchen. Diese bunte Mischung von Menschen, egal ob alt oder jung, und das herzliche und offene Leitund Menschenbild das Hauses, geprägt und gelebt durch die Hotelleitung um die Familie Fischer, die Hotel-Managerin Frau Kraus und das ganze Personal sind es, die das Leben im Mar Y Sol so familiär und besonders machen, und warum auch ich seit sieben Jahren immer wieder sehr gerne hier her komme. Dazu kommen die vielfältigen Möglichkeiten des Hauses, wie z. B. das Sanitätshaus mit Plege- und Assistenzdienst Le- Ro, die Möglichkeit sich Hilfsmittel, Scooter, Elektrorollstühle oder elektrische Zughilfen auszuleihen. Die kilometerlange Promenade und die barrierefreien Strände in Los Christianos oder Playa de las Américas, die vielen ebenerdigen Kneipen und Restaurants, die Möglichkeit ein angepasstes Auto zu mieten (zu Preisen, die sich nicht von anderen Leihwagen unterscheiden). WUNDERSCHÖNE ORTE – FASZINIERENDE NATUR Und dann immer wieder die faszinierende Natur bzw. die wunderschönen kleinen Orte wie z. B. Santiago del Teide, dann die imposante Passstraße hinunter zum Masca Tal, und wieder hoch hinauf in die zerklüftete Mondlandschaft der ›Cañadas‹ rund um den Teide. Die Fahrt mit der Gondel hoch auf 3.555m, fast bis zum Gipfel des höchsten Berges Spaniens (3.712m), ist ein eigenes unvergessliches Schauspiel – wenn auch noch nicht ganz stufenlos, es wird geholfen und angepackt, und es gibt neue saubere, großzügige Toiletten und Rampen am Aussichtskaffee. Und dann das Anaga-Gebirge, Zauberland im Nordosten der Insel, gerade im Februar in herrlichster Blüte mit alpenähnlichen Bergen, die wie von grünem Samt überzogen scheinen, mit Sträßchen direkt oben auf dem Bergkamm, es ist wie ›Autowandern‹ und verführt immer mehr zum Eintauchen und Staunen. Ach ja, es war ja auch Carneval auf der Insel ganz groß, im Stile Rios, wie man mir sagte, in Santa Cruz – da hab ich dann eher die abendliche Ruhe im Hotel genossen, aber da sind die Bedürfnisse eben unterschiedlich – Teneriffa bietet für jeden Geschmack genug, selbst wenn es Bingo und Karaoke sind. Ach ja, meine Mitfahrer vom Anfang habe ich noch zweimal wieder getroffen, einmal an der Strandpromenade und dann beim Besuch im Mar Y Sol – sie haben gestaunt und waren von den Möglichkeiten und der Lebendigkeit im Hause sehr überrascht und angetan – und wenn alles klappt, wollen sie nächstes Jahr dort ihre Ferien verbringen. »Herzlich willkommen im Club!« Wer mehr wissen möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Schaut auch gern auf die Seite: www.marysol.org da indet Ihr auch die Berichte der letzten Jahre. Auf ein Wiedersehen Euer Klaus D. Herzog von den DRS Rollikids klausd.herzog@gmx.de Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017 33

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