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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017

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Spezialausgabe mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendsport

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www.rollikids.de Fotos: Malte Wittmershaus, Privat, DRS-Archiv ERWACHSEN WERDEN Hat eine frühe Mobilitätsförderung Auswirkungen auf das Erwachsen werden? Horst Strohkendl bei einem Mobikurs im Jahr 1982 (oben r.) und beim Jubiläumsverbandstag 2017. I n diesem Jahr feiert der DRS sein 40-jähriges Bestehen. Die jungen Sportler und engagierten ehrenamtlichen Helfer der frühen Jahre sind entsprechend älter geworden, in die Jahre gekommen, alt geworden oder einige inzwischen leider auch verstorben. Der Grundstein des Kinder- und Jugendrollstuhlsports wurde in den 1970er Jahren von einigen Kölner Sportwissenschaftlern und Sportpädagogen gelegt. Dabei war auch Dr. Horst Strohkendl, der den Kinder- und Jugendbereich seit Gründung des DRS stetig mit aufgebaut hat und von Anfang an die Funktion des Jugendwarts übernahm, zusammen mit den Bereichen Breitensport und Lehre. Im Jahr 1991 übergab er das Amt des Jugendwartes an Ute Herzog. Birgit Komanns, ein ›Rollikind‹ der ersten Generation im Rollstuhlsport, berichtet von Ihren Erinnerungen an die Zeit in ihrer Kindheit (S. 27). Obschon es damals noch keine wirklichen Kinderrollstühle gab und auch die Einstellung und der Sitzkomfort in den üblichen chromblauen Fahrgeräten in maximal zwei Einheitsgrößen nicht gerade mobilitätsfördernd war, so konnten durch das Rollstuhltraining die Kinder und Jugendlichen mit guter Armfunktion das sichere Ankippen und Balancieren des Rollstuhls erlernen und damit auch im Alltag viele Hindernisse und Hürden bewältigen. Von den Hindernissen wie hohe Bordsteinkanten, steile Steigungen und Unebenheiten gab es in den 1970er und 1980er Jahren wesentlich mehr als heute. Abgelachte Borsteinkanten gab es nur an Garageneinfahrten, und der Einstieg in Straßenbahn und Bus war immer mit mehreren Stufen verbunden. Auch die Einschränkungen aufgrund der Vorurteile des gesellschaftlichen Denkens und der Stigmatisierung des Rollstuhls waren wesentlich größer als heute. Der Film zum Buch ›Die Vorstadtkrokodile‹, in dem Birgit Komanns die Hauptrolle des Kurt spielte, war sicherlich einer der Meilensteine auf 14 Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017

dem Weg zur heutigen Inklusionsbestrebung und in vielen Dingen, beispielsweise in der Besetzung der Hauptrolle durch eine echte Rollstuhlnutzerin, seiner Zeit weit voraus. FRÜHER HART ERKÄMPFTES IST HEUTE SELBSTVERSTÄNDLICH Trotz aller heutigen Verbesserungen gibt es noch Vieles zu verändern, um eine echte Teilhabe aller zu gewährleisten. Es ergibt sich immer wieder der Eindruck, dass manch andere Länder hinsichtlich der Barrierefreiheit und der Akzeptanz der Vielfalt und der Selbstverständlichkeit von Nachteilsausgleichen schon wesentlich weiter sind als wir hier in Deutschland. Dennoch sind Dinge, die die ersten Rollikinder mühsam für sich erkämpfen mussten, heute eine Selbstverständlichkeit. Während sich in den 1960er und 1970er Jahren manche Eltern mit ihren Kindern mit Behinderung nicht auf die Straße trauten und erst recht nicht mit einem Rollstuhl, sehen wir heute kleine, litzige und mobile Kinder, die stolz sind auf ihren bunten Kinderrollstuhl mit dem ausgesuchten Lieblingsmotiv auf den Speichenschützern. Früher konnte es passieren, dass dem jugendlichen Rollstuhlnutzer der Zustieg in den Bus oder in die Bahn verwehrt wurde, geschweige denn, dass beim Einstieg Hilfe angeboten wurde. Heute sind viele öffentliche Verkehrsmittel barrierefrei. Leider hat die Deutsche Bahn den wirklich barrierefreien Zustieg in ihren Fernverkehrszügen immer noch nicht geschafft. Zum Glück gibt es Jugendliche, die auf Ihr Recht beharren, dann mit der Bahn zu Birgit Komanns als Kurt im Film ›Die Vorstadtkrokodile (r.) und als begeisterte Tänzerin 2000 (o.). » Heute wissen wir, dass eine frühe, gut passende Rollstuhlversorgung und ein Rollstuhlmobilitäts training die Bewegungsentwicklung immens fördert und nicht hemmt, und sich auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung positiv auswirkt. fahren, wenn sie es gerade möchten, so wie andere Leute auch, und die nicht einsehen sich Stunden oder Tage vorher für eine Einstiegshilfe anmelden zu müssen, sondern einfach kommen und für ihre Rechte einstehen. In den 1980er und 1990er Jahren kamen die ersten Kinderrollstühle auf den Markt, damals noch klein gebaute Erwachsenenrollstühle, die sehr schwer waren und nicht auf die Proportionen der Kinder hin konstruiert wurden. Erst nach 1990 kam Bewegung in den Kinderrollstuhlbau, die Rollstühle wurden leichter und besser anpassbar und einstellbar. Die Sichtweise, dass die Kinder möglichst spät einen Rollstuhl bekommen sollten, damit sie nicht Gemütliche Grill runde bei einem Mobikurs im Jahr 1981: deutlich erkennbar ist die noch unzureichende Rollstuhlversorgung jener Zeit. Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2017 15

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