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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 04/2019

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Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

DRS REFERATE »Auch zehn

DRS REFERATE »Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention muss man feststellen, dass es immer noch Barrieren im Alltag gibt sowie in manchen Köpfen.« Foto: Maike Lobback Mit Wirkung zum 1. Januar 2019 hat der DRS seine Referate umbenannt und trägt damit der inhaltlichen und thematischen Entwicklung in der Verbandsarbeit Rechnung. »Ziel war die Schärfung unseres Profils«, sagt Andreas Escher, Leiter des Referats ›Sport und Kommunikation‹. »Wir wollen damit nach innen und vor allem nach außen deutlicher machen, wo die Kernkompetenzen der hauptamtlich besetzten Referate liegen«. In den nächsten Folgen von ›Sport + Mobilität mit Rollstuhl‹ stellen wir die drei Referate und deren Leiter bzw. Mitarbeiter*innen vor. INTERVIEW MIT PETER RICHARZ, LEITER DES REFERATS ›MOBILITÄT UND INKLUSION‹ Vor zehn Jahre wurde in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention* ratifiziert. Was hat sich aus Sicht des DRS in dem Jahrzehnt getan? Peter Richarz: Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN‐Behindertenrechtskonvention (UN‐BRK) muss man feststellten, dass es immer noch Barrieren im Alltag gibt sowie in manchen Köpfen. Vorurteile sind ebenfalls noch vielfach zu beobachten und es gibt noch viele Unsicherheiten und Hemmschwellen im Umgang miteinander. Trotz dieser noch vorhandenen Herausforderungen ist auf der anderen Seite schon eine Menge passiert. Darüber sind wir als Sportverband sehr froh. Die Wahrnehmung insgesamt hat sich deutlich verbessert, wir haben viele neue Eingangstüren in den Einrichtungen gefunden, wichtige Menschen in verantwortungsvollen Positionen, die uns zuhören und die versuchen, die Situation für unsere Mitglieder was das Sporttreiben, die Sportmöglichkeiten anbelangt, weiter zu verbessern. Warum wurde das DRS Referat ›Klinik, Lehre und Breitensport‹ umfirmiert? Peter Richarz: Unserer Ansicht nach ist der Titel ›Mobilität und Inklusion‹ zeitgemäßer, weil das zunehmend die großen Baustellen des Verbandes geworden sind. Die vielfältigen Projekte zur Mobilitätsförderung, die wir mit den unterschiedlichsten Partnern zusammen vorantreiben, erzielen die nachhaltigsten Resultate. Beispielsweise ist die Kooperationskampagne ›sicher mobil‹ zusammen mit der BGW für uns immer noch die wichtigste Eintrittspforte in viele Mitgliedsbetriebe, wo Menschen mit Behinderung versorgt, verpflegt und geschult werden. ›kompetent mobil‹ ist ein Folgeprojekt, das sich einer breiteren Zielgruppe zuwendet. Auf Platz Eins, was die Rekrutierung neuer Sportreibender angeht, ist und bleibt das System der Klinikerfassung im Projekt ›richtig mobil‹! Die Schulen tun sich noch schwer mit der Umsetzung der UN-BRK und dem Thema Inklusion. Wie kann der DRS mit seiner Kompetenz zur Unterstützung beitragen? Es gibt ja bereits seit längerer Zeit Schulprojekt, die genau da ansetzen. Was könnten die nächsten Schritte sein? Peter Richarz: Der erste wichtige Schritt wäre hier, noch mehr in die Breite zu gehen. Es gibt schon viele Ansätze und sehr erfolgreiche regionale Projekte, tolle Variationen was Partnerschaft und die Ausprägung angeht. Der DRS muss die Phantasie und den Mut des Lehrpersonals stärken und sie überzeugen, dass die Umsetzung im Sportunterricht gar nicht so schwierig ist. »Einfach machen« und Erfahrungen sammeln wäre der Tipp. Eigene Vorbehalte und Hemmschwellen ablegen und einfach neue gemeinsame Inhalte ausprobieren. Dazu müssen wir mit unseren ›Best Practice‹‐Beispielen noch mehr in die Veröffentlichung gehen und Lehrerfortbildungen anbieten. Noch besser wäre es, diese Inhalte möglichst auch in der Lehrerausbildung und in der Sonderpädagogik fest zu verankern und mit Universitäten zusammen zu arbeiten. Oder etwa Forschungsprojekte, wie es derzeit in der Leuphana Uni in Lüneburg anläuft, mit dem Ziel nachzuweisen, dass Rollstuhlbasketball auch ein Schulsportfach sein kann, zu vervielfältigen. Das Projekt ›Rollstuhlsport mach Schule‹ müssen wir weiter vo‐ 16 Sport + Mobilität mit Rollstuhl 04/2019

antreiben und als nächsten Schritt die Kultusministerien der Bundesländer für dieses Thema sensibilisieren und noch intensiver auf länderspezifische Vorgaben eingehen. Bei der Umbenennung des Referats fällt der ›Breitensport‹ namentlich raus. Wo bleibt der Breitensport im DRS, bei der Intensiven Annäherung an die Schulen und wie können die Vereine von den Projekten profitieren? Peter Richarz: Die Begriffe ›Mobilität‹ und ›Inklusion‹ implizieren für mich, dass das Angebot für Menschen, die den niedrigschwelligen Sport, also weniger den Leistungs‐ oder Wettkampfsport, bevorzugen, erweitert werden muss. Dafür müssen wir eine neue, bzw. eine alte Schnittstelle neu beleben. Daher finde ich die aktuelle DRS‐Jahresaktion ›Entdecke Neues im Verein‹ auch so genial. Vereine, die sich bislang noch gar nicht oder nicht so intensiv dem Klientel des Breitensportlers geöffnet haben, müssen wir als Verband mehr unterstützen. Denn diese Schnittstelle muss regional, an der Basis gelöst werden. Wenn ich als hauptamtlicher Begleiter der Breitensportförderung aus den letzten Jahre ein Fazit ziehen soll, lässt sich feststellen, dass wir als Verband an die Grenzen gestoßen sind, weil es letztendlich immer sehr individuell regional angelegte Projekte sein müssen. Egal ob es eine Kooperation zwischen Verein und Klinik ist oder mit einer Schule oder einem Betrieb, es muss vor Ort von verantwortlichen Personen ausgestaltet werden. Die Erfahrung war häufig, dass wir zwar in der ersten Phase überregionale Ansprechpartner finden konnten, aber in der Konsolidierungsphase es oft auf der lokalen Ebene nicht nachhaltig weiter ging. Die engagierten Menschen in den Vereinen, die sich langfristig dem Thema Breitensport annehmen und Gruppen initiieren und dann betreuen, sind noch in zu geringer Anzahl vorhanden. INFOBOX: FÖRDERUNG DER MOBILITÄT UND INKLUSION n Das Referat wird zukünftig alle Projekte zur Förderung der Mobilität und Inklusion verantwortlich begleiten. Die zahlreichen Kooperationsprojekte der letzten Jahren mit den unterschiedlichen Partnern in Sachen Mobilität werden den Weg zur Steigerung der Selbstständig und Teilhabe unserer Mitglieder fördern. Weiterhin wird der Begriff der Inklusion umfassend interpretiert – denn es ist trotz vieler Verbesserung z. B. hinsichtlich der Barrierefreiheit, der Aufmerksamkeit und Sensibilisierung unserer Bedarfe, notwendig weiter und nachhaltig an den alltäglichen Herausforderungen im Sinne unserer Mitglieder zu arbeiten. Dazu braucht es auch qualifiziert ausgebildete Übungsleiter*innen. Im Bereich Lehre haben wir uns neu aufgestellt. Es gibt unter anderem den Übungsleiter ›C Breitensport/Rollstuhlsport‹. Positiv gesagt, haben wir da ganz viel Potenzial, die Menschen respektive neue Multiplikatoren für den Rollstuhlsport auszubilden. Vielen Dank für das Gespräch. Wir suchen den Kontakt zu den ›Fußgänger‐Vereinen‹, sehen jedoch unseren primären Auftrag darin, ein flächendeckendes Bewegungs‐ und Sportangebot für alle Rollstuhlfahrer weiter auszubauen. KONTAKT DRS-Referat Mobilität und Inklusion c/o BG Klinikum Hamburg Bergedorfer Str. 10, 21033 Hamburg Fax 0 40 / 73 06 - 13 90 ➜ Peter Richarz (Referatsleitung) Fon 0 40 / 73 06 - 3814 Mobil 01 71 / 229 34 66 Peter.Richarz@rollstuhlsport.de ➜ Tatjana Sieck (Rollstuhl- und Mobilitätstraining) Fon 0 40 / 73 06 - 1991 Tatjana.Sieck@rollstuhlsport.de ➜ Bernhard Hoffmann (Sachbearbeiter) bernhard.hoffmann@rollstuhlsport.de Foto: DRS Peter Richarz (l.) weist bei einer Lehrerfortbildung in der Landessportschule in Trappenkamp die Lehrkräfte in die Grundlagen inklusiven Schulsports ein. (s. auch Artikel auf Seite 24) Sport + Mobilität mit Rollstuhl 04/2019 17

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